Österreichtour 2025
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| Datum | Tag | KM | HM | Zeit | Strecke |
| 22.07.2025 | 1 | 74 | 160 | 4:48 | Zu Hause - Marbach |
Immer die Donau entlang
Eigentlich wäre das Wetter heute ja ideal zum Radeln gewesen - eigentlich, wenn da nicht der ständige Westwind gewesen wäre. Ich bin eindeutig in die falsche Richtung gefahren und war damit auch ziemlich alleine stromaufwärts unterwegs. Durch die Wachau bin ich trotzdem schnell weiter gekommen. Vielleicht auch deshalb, weil ich die Strecke schon mehrmals gefahren bin und nicht viel schauen musste. Mit dem Gegenwind wars dann ab Melk richtig mühsam. Darum war ich durchaus froh, dass ich bereits um 14.30 Uhr nach 74 km den Campingplatz in Marbach erreicht habe. Beim Aufstellen des Zeltes war der Wind dann schon so stark, dass ich richtig zu Kämpfen hatte. Ich hoffe nur, dass mich in der Nacht der Sturm nicht samt Zelt wegfegt.
Das Ziel für morgen ist noch ungewiss
Für heute war die Nacht am Campingplatz im Marbach geplant. Wie weit ich morgen kommen werde, weiß ich noch nicht. Das kommt auch darauf an, wie weit meine Kraft reichen wird. Auch das Wetter wird morgen vielleicht eine Rolle spielen.
| Datum | Tag | KM | HM | Zeit | Strecke |
| 23.07.2025 | 2 | 101 | 133 | 5:56 | Marbach - Ottensheim |
Nicht die Seite gewechselt
Am Campingplatz in Marbach wars bis spät in die Nacht sehr laut. Gleich daneben die stark befahrene Donauuferstraße, auf der anderen Donauseite die Westbahn, wo im Minutentakt die Güterzüge vorbeibrausen und auf der Donau machen die Schlepper und sonstigen Schiffe und Boote einen heftigen Lärm. Ein Wunder, dass ich trotzdem relativ gut geschlafen habe.
Ich bin heute wieder früh - so gegen 8.15 Uhr - losgefahren. Leider habe ich es verabsäumt, in Persenbeug die Seite zu wechseln und auf der rechten Donauseite zu fahren. Bis Grein war der Radweg meist nur ein schmaler Streifen neben der Bundesstraße, teilweise war gar kein Radweg vorhanden. Ab Grein war der Radweg wunderbar zu fahren, dafür ist die Gegend bis Mauthausen sehr dünn besiedelt. Nicht ein einziges Lebensmittelgeschäft war zu finden und auch der riesige Fisch an der Strecke war nicht genießbar. So musste ich mich mit knurrendem Magen bis Mauthausen durchkämpfen.
In Linz und um Linz und um Linz herum
Da fahren manche Rennradler als gings um den Sieg bei der Tour de France. Auf dem Radweg sind sehr viele Radfahrer unterwegs, auch viele Gruppen, langsame so wie ich und auch etwas Schnellere und hauptsächlich E-Biker. Manche Rennradler zischen da mit 40 und mehr km/h durch. Wäre interessant, wie viele Tote und Schwerverletzte jedes Jahr zu beklagen sind.
Weiter als gedacht
Mein Zimmer für heute Nacht habe ich in Ottensheim gefunden. Dafür musste ich noch einige Kilometer nach Linz drauflegen. Damit ist der 100er für heute voll geworden und ich ziemlich müde.
| Datum | Tag | KM | HM | Zeit | Strecke |
| 24.07.2025 | 3 | 83 | 136 | 5:11 | Ottensheim - Passau |
Zu spät gestartet
Die gestern Abend gewaschene Wäsche war noch nicht ganz trocken. Daher musste ich mit dem Föhn nachhelfen. Dann noch Verpflegung einkaufen und lange auf die Fähre warten. Somit bin ich später als geplant gestartet. Weil für ca. 16 Uhr Regen auf der Strecke angesagt war, wollte ich mich beeilen und habe mir zu spät eine Pause gegönnt. Da war ich schon etwas angeschlagen und auch mental hat sich ein Tief eingestellt. Nach der ausgiebigen Jause und nach einer kurzen Kaffeepause mit Kuchen war die Welt wieder in Ordnung. Selbst der einsetzende Regen hat mir nichts ausgemacht. Nach etwa zwei Stunden war der Spuk vorbei und ich konnte meinen Regenschutz wieder ausziehen. Dass kurz vor Passau noch einmal ein Regenguss heruntergekommen ist, hätte wirklich nicht sein müssen. Ich bin aber noch halbwegs trocken in mein Zimmer für heute Nacht gekommen.
Fährentag
In Ottensheim bin ich gleich mit einer der unzähligen Fähren auf die rechte Donauseite gewechselt, um dann etwa 10 km vor Passau in Obernzell wieder auf die linke Seite zurückzukommen.
Morgen geht's dann bis Braunau oder vielleicht ein Stück weiter bis zum Zusammenfluss von Inn und Salzach bei Bergheim.
| Datum | Tag | KM | HM | Zeit | Strecke |
| 25.07.2025 | 4 | 85 | 316 | 5:43 | Passau - Seibersdorf/Inn |
Von der Donau an den Inn
Gut gestärkt mit Schnitzel und Bier gestern Abend bin ich gleich nach dem Start in den heutigen Tag bei herrlichem Wetter in Passau noch kurz für ein Foto stehengeblieben. Ich war froh, dass ich schnell diesem Verkehrswirrwarr entfliehen konnte und habe mich über den wunderbaren Radweg entlang des Inn gefreut. Die Freude währte allerdings nur kurz, denn die meisten Kilometer am Innradweg in Oberösterreich sind eine Katastrophe. Die Wege sind in einem schlechten Zustand, einmal Schotterweg, dann wieder Güterweg mit tausend Schlaglöchern und immer wieder kurze sehr steile Anstiege, die viel Kraft kosten. Vielleicht bin ich aber auch zur sehr verwöhnt von den Bedingungen in Brandenburg vom August vorigen Jahres.
Viel Zeit verloren in Schärding
Der Anblick des schönen Barockschlosses auf der anderen Seite des Inn hat mich bei der Ankunft in Schärding noch erfreut. Dann wars eine endlose Odyssee, um wieder auf den Radweg zurückzufinden. Wegen der Landesgartenschau wurde der Radweg großflächig gesperrt. Nicht einmal 50 m durfte ich mein Rad durch das Gelände schieben. Nachdem es auch keine Umleitungshinweise gab, musste ich mühsam durch die engen Gassen der Innenstadt navigieren, um irgendwie wieder auf den Radweg zu kommen.
Deutsche Grenzkontrolle
Nach Braunau bin ich über den Inn wieder nach Deutschland gefahren. Am Ende der Brücke war Einreisekontrolle mit einer endlosen Autoschlange in beide Richtungen. Ich musste am Ende der Brücke links auf einen Feldweg abbiegen, was mir die nette Polizistin erst nach kurzer Diskussion gestattet hat. Dann habe ich es nach ca. 10 Minuten doch noch geschafft, die Fahrbahn zu überqueren. Die letzten Kilometer bis zu meinem Quartier für heute Nacht in Seibersdorf am Inn wars wieder ruhig und schön zu fahren. Insgesamt war der heutige Tag sehr anstrengend, sowohl körperlich als auch mental.
| Datum | Tag | KM | HM | Zeit | Strecke |
| 26.07.2025 | 5 | 86 | 488 | 6:25 | Seibersdorf/Inn - Wasserburg/Inn |
In den Regen gestartet - im Regen gelandet
Frohen Mutes bin ich trotz heftigen Regens in die heutige Etappe gestartet. Am Anfang wieder meist auf flachem Schotterweg entlang des Inn. Einmal bin ich für ein paar Kilometer auf die Straße ausgewichen, weil mir der Weg zu gatschig war.
Der flache Radweg direkt am Inn entlang war dann bald vorbei. Je länger der Tag dauerte, umso mehr hat sich die Landschaft verändert. Es wurde immer ländlicher und grüner, die zuerst leichten Hügel wurden immer höher und steiler. Auf den Wiesen waren Kühe und Schafe zu sehen. Die Alpen kommen immer näher.
Und plötzlich war's eine richtige Herausforderung
Nach 50 km habe ich ein Zimmer für heute Nacht in Wasserburg am Inn gebucht. In der Annahme, dass die restlichen ca. 30 km in zwei Stunden leicht zu schaffen wären. Letztendlich hat es dann fast drei Stunden gedauert, bis ich angekommen bin. Es ging nur mehr steil bergauf und bergab. Und plötzlich war die Asphaltstraße zu Ende und ein schmaler Waldweg steil oberhalb des Inn wurde zur Herausforderung. Auf einem Anstieg mit gut 30 % Steigung habe ich es gerade noch geschafft, das Rad zu schieben.
Die letzten 10 KM haben sich endlos gezogen, meine Beine waren schon sehr müde und kraftlos. Eine sehr anstrengende Tour heute bei schwierigen Bedingungen. Ich fürchte fast, dass es die nächsten Tag nicht viel leichter sein wird.
| Datum | Tag | KM | HM | Zeit | Strecke |
| 27.07.2025 | 6 | 84 | 195 | 5:32 | Wasserburg/Inn - Wörgl |
So viel Glück
In der Nacht und auch in der Früh hat es in Wasserburg noch heftig geregnet. Beim Start zur heutigen Etappe war nur ein kleines wolkenfreies Fenster über mir am Himmel, das mich sehr lange begleitet hat. Vor, neben und hinter mir hat es kräftig geschüttet, aber ich bin immer trocken durchgekommen.
Genussfahrt
Nach der sehr schwierigen Tour gestern habe ich die heutige Fahrt entlang des Inn mit kaum nennenswerten Anstiegen richtig genossen. Ich bin trotz einiger Pausen schnell und locker bis Rosenheim gekommen. Nachdem wieder rundherum bedrohlich dunkle Wolken aufgezogen sind, habe ich auf eine Fahrt ins Stadtzentrum verzichtet und bin flott Richtung Kufstein weitergefahren.
Und dann hat's mich richtig erwischt
Wäre ja auch zu schön gewesen, an so einem verregneten Tag ganz trocken anzukommen. Gleich nach dem Grenzübergang einige Kilometer vor Kufstein war der Radweg gesperrt, sodass ich für einen Kilometer auf die stark befahrene Bundesstraße ausweichen musste. Genau zu dem Moment ist ein heftiger Schauer niedergegangen und ich konnte nicht stehenbleiben, um meinen Regenschutz anzuziehen, weil kein Platz neben der Straße war und es auf der Straße zu gefährlich gewesen wäre. Nach einer Minute war ich nass bis auf die Haut. Ich bin aber trotzdem gut in Kufstein angekommen, habe ein paar Fotos gemacht und bin schnell Richtung Innsbruck weitergefahren. In Wörgl habe ich ein nettes Quartier in einem uralten Haus gefunden. Morgen geht's zeitig weiter nach Innsbruck. Dort möchte ich noch den Bus um 14 Uhr nach Sillian erreichen.
| Datum | Tag | KM | HM | Zeit | Strecke |
| 28.07.2025 | 7 | 74 | 104 | 4:14 | Wörgl - Innsbruck - Sillian (mit Bus) |
Schneller als ein ICE
Von Wörgl bis Innsbruck Hauptbahnhof sind es ca. 73 km und dort sollte ich spätestens um 14.00 Uhr sein, um den Bus nach Sillian in Osttirol noch zu erreichen. Nachdem der Vermieter in Wörgl sich noch ausführlich mit mir über Gott und die Welt unterhalten wollte und ich noch die Verpflegung für den heutigen Tag einkaufen musste, bin ich erst um 9.00 Uhr losgefahren. Ich war mir nicht sicher, ob sich das ausgehen würde.
Somit bin ich ständig zwischen 20 und 22 km/h, also immer am Limit gefahren. Zum Glück war der Radweg fast durchgehend asphaltiert und flach, sodass ich ohne Pause (nur einmal Regenschutz an- und nach einer Stunde wieder ausziehen) tatsächlich noch rechtzeitig in Innsbruck angekommen bin. Sogar ein Foto vom Goldenen Dachl ist sich noch ausgegangen. In der Fußgängerzone war kaum ein Durchkommen durch die Ansammlung von Touristen aus aller Welt und auch am Bahnhof war ebenfalls die Hölle los. Ich war richtig froh, wie ich dann in den Bus steigen konnte.
Niemals über den Brenner
Ich werde mit Sicherheit nie mit dem Auto über den Brenner fahren. Was sich hier abspielt ist der absolute Wahnsinn. Vom Bus aus kann man das ja relativ entspannt betrachten, aber selbst hier zu fahren will ich mir nicht vorstellen. Die Busfahrt hat statt 2,5 Std. ca. 4 Std. gedauert. Auf der Strecke zwischen Autobahn und Österreichischer Grenze sind wir fast 1,5 Std. im Stau gestanden und insgesamt gings nur schleppend voran. Die Luft im Bus ist immer dünner geworden und der Durst immer größer. Ich war schon sehr erleichtert, wie ich wieder aussteigen durfte.
Ab Morgen Richtung Osten und hauptsächlich bergab
Der Radweg entlang der Drau soll ja angeblich zu den fünf schönsten in Europa zählen. Bin schon sehr gespannt was mich erwartet. Auf alle Fälle geht's jetzt Fluss abwärts bis Maribor.
| Datum | Tag | KM | HM | Zeit | Strecke |
| 29.07.2025 | 8 | 99 | 220 | 5:18 | Sillian - Sachsenburg |
Laute Nacht - schöner Morgen
In Sillian fahren die Sattelschlepper mitten durch den Ort auf der sehr engen Drautal-Bundesstraße. Teilweise wurde der Gehsteig entfernt, damit die Laster überhaupt durchkommen. Somit fahren sie bis auf ein paar Zentimeter an den Häusern vorbei. Den ganzen Tag bewegt sich eine Kolonne von LKW's in beide Richtungen. Das wird erst gegen Mitternacht weniger und beginnt um zwei Uhr in der Früh von neuem. Dementsprechend laut ist es und fast nicht möglich zu schlafen. Dafür war das Wetter heute in der Früh wunderbar und eigentlich hat es fast den ganzen Tag gepasst.
Um 10 Uhr bin ich Richtung Lienz gestartet. Diese ca. 35 km habe ich fast in einer Stunde geschafft, weil es sehr viel und teilweise steil bergab ging. Ich habe gehofft, dass das so weitergehen wird.
Lienz City gesehen
Die Innenstadt von Lienz wollte ich mir ansehen. Deshalb bin ich herumgekurvt, bis ich das Zentrum gefunden habe. Schnell ein paar Fotos gemacht und wieder verabschiedet. Lienz hat auf mich einen netten Eindruck gemacht.
Schöner Radweg
Der Drautalradweg ist bisher wunderbar zu fahren. Lediglich der ständige Gegenwind ab Lienz hat gestört und ein Stück nach der Kärntner Grenze war es eine Fahrt wie auf einer Hochschaubahn, was natürlich sehr viel Kraft gekostet hat. Deshalb habe ich heute den 100er knapp verfehlt und habe mir ca. 10 km vor Spittal/Drau ein Zimmer genommen.
| Datum | Tag | KM | HM | Zeit | Strecke |
| 30.07.2025 | 9 | 99 | 328 | 6:00 | Sachsenburg - Feistritz im Rosental |
Gut geschlafen - gutes Frühstück - was will man mehr
Nach dem anstrengenden Tag gestern habe ich es sogar noch geschafft meine Wäsche zu waschen. In der Nacht habe ich wirklich gut schlafen können. Ich war in einem kleinen Dorf ohne Verkehrslärm in der Nacht. Das Frühstück war sehr deftig mit hausgemachtem Speck und ausgiebig. So bin ich gut gestärkt in den Tag gestartet. Die Strecke heute war sehr abwechslungsreich und bis auf den Gegenwind schön zu fahren. Ich bin auch ganz gut vorangekommen. In Spittal/Drau war der Radweg an zwei Stellen gesperrt. Die Umleitung war aber gut beschildert, was nicht überall selbstverständlich ist.
An Villach vorbei
Für die Innenstadt von Villach habe ich mir absichtlich keine Zeit genommen. Ich wollte möglichst schnell weiterkommen, weil mein Tagesziel ursprünglich Ferlach gewesen wäre. Für die ca. 110 km konnte ich mir keine langen Pausen erlauben. Ein Foto von Villach - sozusagen als Beweis - ist sich aber trotzdem ausgegangen.
Ein stressiges Tagesende
Nachdem die Strecke bei km 90 mit Steigungen bis zu 20 % meine letzten Kräfte gefordert hat, habe ich mich entschlossen, nur bis Feistritz im Rosental zu fahren und die Nacht dort am Campingplatz zu verbringen. Es gibt dort einen riesigen Campingplatz und die Besucher sind zu 95 % aus Holland. Jede Menge Kinder laufen lärmend kreuz und quer durch das Gelände und bei jedem Wohnwagen oder -mobil wird irgendwas gekocht oder gegrillt. Ich musste mit meinem Abendessen bis um 21.30 Uhr warten, weil leider das Gestänge von meinem Zelt gebrochen ist und ich dann zwei Stunden gebraucht habe, um das Zelt halbwegs gerade aufzustellen. Ich habe es letztendlich geschafft und im Lokal auch noch etwas zu Essen bekommen, obwohl schon Sperrstunde war. Morgen wird wahrscheinlich Slowenien schon sehr nahe kommen.
| Datum | Tag | KM | HM | Zeit | Strecke |
| 31.07.2025 | 10 | 86 | 412 | 5:37 | Feistritz im Rosental - Lavamünd |
Ein Missgeschick allein genügt nicht
Nachdem beim Zeltaufbau gestern Abend am Campingplatz in Feistritz das Gestänge gebrochen ist und ich lange herumbasteln musste, um überhaupt irgendwie im Zelt schlafen zu können, bin ich auch sehr spät dazugekommen, meinen Bericht zu schreiben. Ich habe bei Dämmerung im Gemeinschaftraum damit begonnen und war dann fertig, als es bereits finster war. Beim Rückweg zu meinem Zelt habe ich trotz Stirnlampe anscheinend den falschen Weg genommen und dann in dem riesigen Gelände vollkommen die Orientierung verloren. Ich habe eine halbe Stunde lang gesucht und mein Zelt einfach nicht gefunden. Dann haben mir vier Holländer geholfen bis ich dann endlich mein kleines, gut getarntes Zelt entdeckt habe. Die vier hatten danach sichtlich ihren Spaß. Heute in der Früh konnte ich auch schon selber darüber lachen.
Ab Völkermarkt ist alles anders
Die ca. 40 km bis Völkermarkt war die Strecke so wie die Tage zuvor, meist flach und entlang der Drau. Wobei die Drau in diesem Bereich kein Fluss mehr ist, sondern ein Stausee ohne Bewegung. Der Radweg am Damm entlang ist etwa 20 m höher, als das ursprüngliche Niveau der Drau. Ab der Ferienanlage am Stausee in Völkermarkt war ich plötzlich alleine unterwegs. Es waren keine Radler mehr zu sehen. Kurz danach war mir klar warum. Das Streckenprofil ändert sich auf eine Berg- und Talfahrt mit heftigen und langen Anstiegen mit 10 % Steigung und mehr. Selbst die E-Biker meiden anscheinend diesen Streckenabschnitt.
Die heute gefahrenen Höhenmeter sind alle zwischen km 40 und 70 zustande gekommen. Dementsprechend leer und kraftlos war ich die letzten Kilometer bis Lavamünd unterwegs. Ein besonderes Highlight noch vor Etappenende war die Überfahrt über die Jauntalbrücke mit ihren 96 m Höhe und 429 m Länge. Hier wird auch Bungy Jumping angeboten. Gleich danach noch die Hängebrücke Santa Lucia. Habe ich wie vorgeschrieben mein Rad hinübergeschoben oder bin ich gefahren?
Morgen geht's gleich in der Früh über die Grenze nach Slowenien und wenn mein Plan stimmt, müsste ich am Abend genauso müde wie heute beim Herzlhaus in Unterschwarza sein.
| Datum | Tag | KM | HM | Zeit | Strecke |
| 01.08.2025 | 11 | 69 | 489 | 4:25 | Lavamünd - Mureck |
Von der Drau an die Mur
Der Tag hat heute in Lavamünd wunderbar begonnen. Das Wetter war traumhaft und die Strecke bis Dravograd herrlich zu fahren (viel bergab). Ab Dravograd hat dann das bekannte slowenische Auf und Ab begonnen. Ich habe mir schon gestern überlegt, ein Stück auf der Strecke bis Maribor mit dem Zug zu fahren, weil ich einen Erholungstag dringend nötig hatte. In Vuzenica bin ich dann in den Zug gestiegen und bis Maribor Hauptbahnhof gefahren. Somit habe ich mir ca. 45 sehr schwierige und kräfteraubende Kilometer erspart. Ich war um 12 Uhr am Bahnhof, aber leider ist der nächste Zug erst um 15.00 Uhr gefahren. Das war eine quälend lange Wartezeit.
Von Maribor bis Spielfeld und dann ein Zielsprint
In Maribor bin ich aus dem Zug ausgestiegen und war auch gleich auf meiner Route Richtung Österreich. Der Anstieg bei Svetilje ein paar Kilometer vor der Grenze hat es wirklich in sich. Ich bin froh, dass ich heute noch viel Kraft hatte. Ab Spielfeld war schon abzusehen, dass es heute noch ein ordentliches Gewitter geben wird. Die Zimmersuche war nicht einfach, es war überall ausgebucht. So musste ich immer ein paar Kilometer weiter auf der Strecke suchen. Zum Glück war dann etwa 2 km nach Mureck noch ein Zimmer frei. Ich bin die letzten fünf Kilometer gefahren, als wäre der Teufel hinter mir her. Als ich angekommen bin, hat es angefangen zu Tröpfeln. Mittlerweile blitz und donnert es und schüttet wie aus Schaffeln. Ich sitze jetzt im Trockenen und fühle mich fitter als die Tage zuvor. Die Südsteiermark kann kommen.
| Datum | Tag | KM | HM | Zeit | Strecke |
| 02.08.2025 | 12 | 111 | 657 | 7:20 | Mureck - Eberau im Burgenland |
Traumhafte Bedingungen
Gut ausgeruht vom gestrigen Erholungstag und ausgiebig gestärkt vom Frühstück bin ich bei idealen Bedingungen Richtung Bad Radkersburg losgefahren. Heute war den ganzen Tag kein Wind zu spüren und dementsprechend flott ist es vorwärts gegangen. Ab Radkersburg habe ich die Mur verlassen und bin entlang der Slowenischen Grenze Richtung Norden gefahren. Bis St. Anna im Aigen war die Strecke noch flach mit ein paar leichten Wellen. Dann ist es losgegangen mit einigen heftigen Anstiegen. Das hat sich bis zum meinem Tagesziel nicht geändert.
Immer am Radweg entlang
Im Burgenland gibt es unzählige Radwege, weil anscheinend jede Landstraße, jeder Feldweg und natürlich auch vereinzelte Radwege entlang von Bundesstraßen in ein Radwegenetz eingebunden sind. Darum stehen an fast jeder Wegkreuzung gleich mehrere Radwegbeschilderungen.
Viel Grün - nichts Spektakuläres
Es war den ganzen Tag rundherum grün. Nur das graue Asphaltband der Straße hat nicht dazu gepasst. In Heiligenkreuz bin ich durch ein Industriegebiet gefahren, wo Lenzing ein riesiges Chemiewerk betreibt. Das war ein starker Kontrast zu den üblichen Eindrücken dieser Gegend. Ein Highlight in der Landschaft war die Jostmühle bei Minihof-Liebau. Es ist die letzte funktionstüchtige Wassermühle im Burgenland.
Viel Glück zum Schluss
Bei Tageskilometer 80 habe ich versucht ein Zimmer für die Nacht zu finden. Die Gegend ist allerdings sehr dünn besiedelt und es gibt kaum Unterkünfte. Ich musste wieder immer weiter auf der Strecke suchen um etwas zu finden. Letztendlich bin ich in Eberau im Burgenland gelandet und musste dafür 111 km fahren. Ein schönes, riesiges Haus, das Zimmer sehr geräumig und gut ausgestattet und im zur Familie gehörigen Gasthaus gegenüber habe ich trotz Ruhetag noch ein richtiges Abendessen bekommen. Das war wirklich sehr, sehr nett von den Leuten.
| Datum | Tag | KM | HM | Zeit | Strecke |
| 03.08.2025 | 13 | 97 | 548 | 6:30 | Eberau - Pamhagen |
Wann sind die steilen Hügel endlich vorbei?
Ich wusste, dass ich heute noch drei steile Anstiege vor mir haben werde. Der Eisenberg nach ca. 25 Kilometern hatte es wirklich in sich. Etwa 3 km bergauf und immer steiler und steiler. Dann war ich endlich oben und dachte, das wars für heute mit bergauf. Ich habe mich getäuscht. Nicht einmal in Ungarn wars ganz flach.
Shit happens
Ich hatte in die Streckenplanung ein Teilstück des Euro Velo 13 (Iron Curtain Trail) eingebunden, also immer möglichst nahe dem Grenzverlauf des ehemaligen Eisernen Vorhangs entlang. Aus der Erfahrung von der Radreise von 2018 hätte ich wissen müssen, dass es oft ratsam ist, nicht genau dem Streckenverlauf zu folgen, sondern eher auf der Straße zu bleiben, weil manche Streckenabschnitte durch den Wald führen, zum Teil mit extremen Anstiegen oder Abfahrten. Heute habe ich es übersehen und bin dem Weg wie geplant gefolgt und habe es bitter bereut. Auf einer Abfahrt habe ich ein tiefes Schlammloch übersehen und musste unfreiwillig absteigen mit Landung genau in dem tiefen Schlamm. Ich war voll Dreck von oben bis unten, an den Schuhen ist Zentimeter dick der Schlamm geklebt, meine Hose und meine Hände und Beine waren ebenfalls total schmutzig. Am meisten leid getan hat mir mein Rad, das voll geklebt war von dieser braunen schlammigen Masse. Ich habe mit meiner Wasserreserve und mit einem Holzstück den Schmutz so gut es ging entfernt. Einige Kilometer später habe ich einen Trinkwasserbrunnen gefunden, wo ich mich dann richtig abwaschen konnte.
Extrem Zäh zum Schluss
Die lange Fahrt durch Ungarn war mit dem starken Gegenwind und den langen Geraden sehr mühsam. Es war auch nicht flach, sondern immer leicht bergauf und bergab. Die Straße war sehr holprig und erst die letzten 7 km gabs einen guten Radweg. Ich bin mit letzter Kraft in Pamhagen angekommen und hatte zum Glück die Möglichkeit, mein Rad wieder zu reinigen. Das hat mir und meinem Rad sehr gut getan.
Vielen Dank an Eva und Manfred für den herzlichen Empfang und die tolle Gastfreundschaft.
| Datum | Tag | KM | HM | Zeit | Strecke |
| 04.08.2025 | 14 | 87 | 181 | 6:06 | Pamhagen - Orth an der Donau |
Ideales Wetter zum Segeln und Surfen
Vom ersten Meter an hat mir heute der Wind ganz stark ins Gesicht geblasen. Ich habe gerade einmal 10 - 12 km/h geschafft. Dann noch die kilometerlangen Geraden, wo man das Gefühl hat, man fährt gegen eine Wand. Ich habe mich gebetsmühlenartig eine Umdrehung nach der anderen vorwärts gekämpft, in der Hoffnung, dass irgendwann der Wind nachlässt. Die Surfer, Kite-Surfer und Segler in Podersdorf haben die Bedingungen sichtlich genossen.
Viele RadlerInnen
Trotz des starken Windes waren entlang des Neusiedlersees sehr viele RadlerInnen unterwegs. Die meisten sind jedoch mit dem Wind auf E-Bikes gefahren. Wie sind die wieder zurückgekommen? Ab Neusiedl/See hat sich die Situation geändert. Die richtigen Radwege wurden rar, meist bin ich auf geschotterten Feldwegen durch die riesigen Windradanlagen gefahren und Biker sind mir kaum noch begegnet. So habe ich mich bis Hainburg durchgekämpft, wo ich wieder über die Donau gefahren bin. In Orth an der Donau habe ich ein Zimmer gefunden. Knapp vor Ankunft musste es auch noch anfangen zu regnen. Mit einem langgezogenen Zielsprint habe ich es geschafft, noch halbwegs trocken anzukommen.
Der Kreis schließt sich
Morgen steht die letzte Etappe auf dem Programm, dann schließt sich der Kreis rund um Österreich. Bis nach Hause werden es noch ca. 90 km sein. Angeblich soll der Wind aus Osten kommen. Dann wäre ich gegen Mittag zu Hause.
| Datum | Tag | KM | HM | Zeit | Strecke |
| 05.08.2025 | 15 | 95 | 80 | 5:31 | Orth an der Donau - zu Hause |
Der letzte Tag
Der Radweg von Orth an der Donau Richtung Wien war wirklich wunderschön zu fahren. Rundherum nur sattes Grün, die Sonne hat geschienen und eine leichte Brise hat für etwas Abkühlung gesorgt. Je näher die Großstadt gekommen ist, desto mehr Verkehr auf dem Radweg und auch die Umgebung hat sich stark verändert. Viel Verkehrslärm, schlechte Luft und jede Menge seltsamer Gestalten auf dem Radweg. Erst nach Klosterneuburg hat sich die Szenerie wieder normalisiert.
Die Seite gewechselt
Mit dem Wechsel vom linken auf das rechte Donauufer in Greifenstein bin ich der Heimat wieder ein Stück näher gekommen. Bei Muckendorf kurz vor Tulln musste ich eine Pause einlegen, um mich für die zweite Tageshälfte zu stärken. In Tulln habe ich mir das erste und einzige Eis auf der ganzen Reise gegönnt und gehofft, dass ich damit genug Energie für die letzten 30 km haben werde. Von Tulln weg kenne ich die Strecke so gut, dass ich wahrscheinlich mit verbundenen Augen fahren könnte. Ich habe jeden Kilometer genossen, und das trotz zunehmend stärker werdendem Gegenwind.
Netter Empfang
Eine Zusammenfassung der Reise gibt es (morgen?) in der Rubrik 'Radlerei'.